Campylo­bacter – ein unterschätzter Durchfall­erreger!

20.09.2017

Nachdem im Zusammenhang mit Durchfallerkrankungen Salmonellen in den Eiern während Jahren die Schlagzeilen dominierten, wurden diese dank der getroffenen Hygienemassnahmen stark reduziert.

Leider wurden sie mit Campylobacter in Pouletfleisch durch einen anderen Durchfallerreger abgelöst, was sich auch daran zeigt, dass alleine 2016 bei Menschen offiziell 1507 Salmonellose-Fälle mit abnehmender, umgekehrt aber 7779 Campylobacteriose-Fälle mit zunehmender Tendenz gemeldet wurden. Im Gegensatz zu Salmonellen sind Campylobacter in der Natur weit verbreitet. Angesichts der hierzulande gewollten naturnahen Produktion (Wintergärten, Auslaufhaltung) stellt deren Bekämpfung für die Geflügelmäster immer wieder eine riesige Herausforderung dar, ist doch auch bei Erfüllung sämtlicher Hygienevorgaben der Faktor Zufall, z. B. die Übertragung über Vögel, Mäuse bzw. Insekten, leider nie auszuschliessen. Daher gilt es, über die gesamte Kette hinweg, d. h. vom Mastbetrieb, dem Transport, dem Schlachtbetrieb, den Verkaufsstellen bis hin zum Umgang im Privatbereich, möglichst viele Hürden gegen Campylobacter aufzubauen. Im Rahmen des neuen Lebensmittelrechts wurde dazu auch ein neues Prozesshygienekriterium eingeführt, wobei die bei positiven Resultaten notwendigen Gegenmassnahmen weiterhin vage bleiben. Es ist allgemein anerkannt, dass nebst den Reisen eine mangelnde Hygiene in der Küche bzw. im privaten Umgang mit Pouletfleisch für die Verbreitung von Campylobacter von grösster Bedeutung ist. Dies zeigt sich insbesondere auch an den Peaks an Erkrankungen, die jeweils nach einer Inkubationszeit von 2 bis 5 Tagen nach Weihnachten (Fondue chinoise) bzw. schönen Grilltagen fast auf den Tag genau durchschlagen. In diesem Sinne sind die diversen Sensibilisierungskampagnen (z. B. Piktogramme Bund, SFF-Flyer) löblich und extrem wichtig. Dennoch stellt sich die Frage, ob all dies wirklich ausreicht. Vor kurzem hat deshalb mit Prof. Roger Stephan von der Universität Zürich ein ausgewiesener Kenner der Materie die physikalische bzw. chemische Dekontamination von Geflügel-Schlachtkörpern zur Diskussion gestellt. Voraussetzung wäre natürlich, dass die sensorische Qualität des Pouletfleisches unbeeinträchtigt bleibt. Entscheidend wird wohl sein, ob bzw. inwieweit ein solcher Schritt bei der breiten Bevölkerung überhaupt auf Akzeptanz stossen würde.

Ruedi Hadorn, SFF-Direktor

 
 
 
 
Ruedi Hadorn, SFF-Direktor
 
 
 
 
 

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