Rindfleischmarkt – quo vadis?

26.07.2017

Seit der Lancierung der Agrarpolitik 2014–2017 verfolgt der Bund aus Nachhaltigkeitsgründen (Reduktion der Methanemissionen) mit Nachdruck das Ziel eines Abbaus der Rindviehbestände – eine Entwicklung, die mit der damals vom Parlament beschlossenen Streichung der Tierhalterbeiträge zusätzlich verschärft wurde.

Hinzu kommt, dass die Zuchtfortschritte bei der Milchleistung das Halten von immer weniger Kühen erfordern und schon so ein anhaltendes Überangebot im hiesigen Milchmarkt besteht. Wie schon seit längerem befürchtet, wirkt sich dies zunehmend und in voller Härte auch auf den Schlachtviehmarkt aus, indem weniger Schlachttiere anfallen. So haben allein in den ersten fünf ­Monaten dieses Jahres die registrierten Fleischmengen bezogen auf das Schlachtgewicht für die Kategorie Rindvieh (inkl. Kälber) im Vergleich zu 2016 um 6,3% abgenommen! Umgekehrt verzeichnet unser Land jedoch ein stetes Bevölkerungswachstum mit einem nahezu konstanten Pro-Kopf-Konsum an Rindfleisch. Die Folge davon ist ein zu tiefes Angebot, was aufgrund der charakteristischen Preiselastizitäten im Fleischsektor rasch einmal zu den aktuell sich auf einem historischen Hoch bewegenden Schlachtviehpreisen führt. Dies trifft vor allem für die Schlachtkühe und die Kälber zu und zieht vermehrt auch das Bankvieh mit sich. In einer solchen Situation stellen die Importe oft das einzige Ventil dar, die auf der Basis der von Proviande beschlossenen, oft leider zu tiefen Freigaben innerhalb der Zollkontingente oder dann zu den massiv höheren Ausserkontingentszollansätzen erfolgen. Eine zusätzliche, aber äusserst eng begrenzte Manövriermasse stellt auch die unterschiedliche Verwendung einzelner Teil­stücke dar, was sich kalkulatorisch jedoch rasch als existenzieller Bumerang erweisen kann. Guter Rat ist in einem solchen Umfeld teuer. Erste Bestrebungen, Lösungsansätze gemeinsam zwischen den eng gekoppelten Sektoren von Milch und Fleisch zu entwickeln, sind eben erst angelaufen. Matchentscheidend wird jedoch sein, Anreize zu schaffen, die im Rahmen der verfügbaren Kapazitäten eine nachhaltige Erhöhung der inländischen Rindfleischproduktion ermöglichen und gleichzeitig die Preisdifferenzen zum grenznahen Ausland nicht weiter anwachsen lassen – wahrlich eine Herkulesaufgabe, die besser kurz denn lang einer wirklichen Lösung bedarf!

Ruedi Hadorn, SFF-Direktor

 
 
 
 
Ruedi Hadorn, SFF-Direktor
 
 
 
 
 

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